GAA-Verfügung – Ein kleines Kompendium – oder was geht am Geldautomaten!

By | 13. Juni 2018

Deutschland gilt als eines der Länder in Europa mit der höchsten Dichte an Geldausgabeautomaten (GAA) bezogen auf die Einwohnerzahl. Zwischen der Anzahl der Automaten und der Nutzung von Bargeld im täglichen Konsumverhalten gibt es dabei einen deutlichen Zusammenhang. Denn gerade in den Ländern, in denen Bargeld gegenüber Kartenzahlungen deutlich häufiger genutzt wird, ist auch gleichzeitig die Automatendichte deutlich höher. Eine Ausnahme bildet Großbritannien. Auf der einen Seite ist hier die Zahlung mit der Kreditkarte deutlich stärker verbreitet, auf der anderen Seite besitzen die Briten ein sehr hohes Netz an GAAs. Hintergrund ist, dass eine Vielzahl von Automaten auf der Insel nicht durch Banken direkt betrieben werden, sondern eine Reihe von Unternehmen den Betrieb von Geldautomaten als eigentlichen Geschäftszweck unterhalten. Diese leben von den Gebühren, die dem Kunden für die Bereitstellung des Services in Rechnung gestellt werden. Bemerkenswert sind die skandinavischen Länder. Hier beträgt die Automatendichte nur ca. ein Drittel im Vergleich zu Deutschland. Das ist am Ende auch kein Wunder, denn im Norden Europas ist das Zahlen mit Karten deutlich einfacher und auch über alle Bevölkerungsschichten verbreitet. Eine flächendeckende Versorgung mit GAAs wie in Deutschland ist deshalb nicht notwendig.

Gebühren für die GAA Verfügung

Bis 2011 gab es enorme Preisunterschiede beim Abheben mit der girocard. Die Kosten waren dem Kunden aber bei Nutzung des Geldautomaten nicht transparent, sondern wurden erst mit Belastung der Abhebung auf dem Kundenbankkonto

sichtbar. Nicht selten gab es in der Vergangenheit bei Institutsfremden Kunden ein böses Erwachen, weil dabei Gebühren bis zu 20 EUR in Rechnung gestellt wurden. Ab 2011 hat sich das nunmehr geändert. Der Automatenbetreiber ist jetzt verpflichtet den Betrag auszuweisen, der dem Kunden maximal belastet wird. Damit hat der Kunde die Chance die Transaktion jederzeit wieder abzubrechen und sich einen günstigeren Anbieter zu suchen.

Wer aber auf Nummer sicher gehen will, der sollte darauf achten zu welchem Automatenverbund seine Hausbank gehört. Grundsätzlich gilt, dass Verfügungen innerhalb der Sparkassengruppe und der Volks- und Raiffeisenbanken in der Mehrheit der Fälle kostenlos sind. Nur einige wenige Banken sind hier ausgebrochen und verlangen von ihren Kunden eine Gebühr. Bei den privaten Banken gibt es zwei große Gruppen von Automatenbetreibern – Cashgroup und Cashpool! Zu den Mitgliedern der Cashgroup gehören die drei großen Institute Deutsche Bank (inklusive Postbank), Commerzbank und Hypo-Vereinsbank. Die bedeutensten Mitglieder der Cashpool-Vereinigung sind bspw. die Targobank und die Santander-Bank. Die Automatenverbünde erlauben Abhebungen von Kunden kostenlos, wenn die Bank Mitglied innerhalb der Gruppe ist.

Girocard oder Kreditkarte das ist hier die Frage

Die Kosten GAA-Verfügung unterscheiden sich aber nicht nur in Bezug auf die Zugehörigkeit zu einem GAA-Verbund. Auch in Bezug auf die eingesetzte Karte gibt es erhebliche Unterschiede. Wie bereits oben erwähnt, ist es problemlos möglich keine Kosten GAA Verfügung zu zahlen, wenn der richtige Automat genutzt wird. Und wie bereits Eingangs beschrieben ist die Automatendichte in Deutschland besonders hoch, so dass es in der Regel auch nicht schwer fallen dürfte einen alternativen kostengünstigeren Automaten zu finden. Wer grunsätzlich keine Kosten GAA Verfügung leisten will, der sollte sich mit dem Angebot einiger Direktbanken beschäftigen. Diese bieten interessante Kombi-Produkte bestehend aus einer Girocard und einer Kreditkarte an. Dabei ist die GAA Verfügung mit der Kreditkarte kostenlos und das nicht nur in Deutschland sondern innerhalb der EU oder sogar weltweit. Ob die Bank eine Kreditkarte ohne Kosten GAA Verfügung ausgibt oder nicht, bzw. ob diese Funktion für ausgewählte Länder angeboten wird, ist nicht gesetzlich geregelt. Es gilt also in einem solchen Fall vorab die Preise und Angebote zu vergleichen. Insbesondere für Vielreisende macht es Sinn ein entsprechendes Angebot zu suchen.

Richtig günstig Geld abheben

Seit einigen Jahren gibt es für Konsumenten die Möglichkeit ohne große Gebühren Geld kostenlos zu erhalten. Angefangen hat vor Jahren ein großer Mineralölkonzern, der bereits Bargeld ohne Kosten ausgegeben hat. Voraussetzung war allerdings, dass vorab der Kunde getankt hat. Mittlerweile können Besitzer einer girocard auch in vielen Handelsunternemen Bargeld erhalten. Der Vorgang läuft dabei genauso wie eine GAA Verfügung, d.h. der Kunde gibt seine PIN ein und erhält im Anschluss das Bargeld von der Kassierin ausgezahlt. Im Gegensatz zu einer Verfügung am GAA ist diese Variante für den Kunden vollkommen kostenlos, da die Kosten für die Transaktion durch den Handel getragen werden. Der Einzelhändler kann jedoch die Auszahlung an der Kasse von einem Mindestkauf im Geschäft abhängig machen. Aktuell wird dieser Service bei allen großen Discoutern wie ALDI Süd, REWE, PENNY, toom, Netto aber auch den DM Drogeriemärkten angeboten. Aus Sicht des Handels stellt diese Form der Bargeldverfügung einen unschätzbaren Vorteil dar. Der Transport von Bargeld ist für den Handel ein großes Problem und stellt einen ernstzunehmenden Kostentreiber dar. Wird das eingenommene Bargeld aber wieder an der Kasse an die Kunden als GAA Verfügung ausgezahlt, reduziert sich der Bargeldbestand beim Handel und somit auch die Kosten. Für die Banken auf der anderen Seite besteht der Vorteil, dass bei flächdeckender Nutzung dieses Services langfristig die Anzahl der Automaten reduzieren hilft und somit auch auf Bankenseite die Kosten für den Betrieb der Automaten sinken dürften.

Bei Abhebungen im Nicht-Europäischen Ausland genau hinschauen

Wer im Nicht-Europäischen Ausland sein Geld abheben möchte, der sollte wie bereits schon weiter oben erwähnt vorab mit seiner Bank klären, ob die eigene Karte kostenlose Bargelverfügungen im Ausland ermöglicht. Ein weiteres Augenmerk ist aber auf die Umrechnung des Währungskurse zu richten. Hier hat das kartenausgebende Institut durchaus die Möglichkeit für den Kunden ungüstigere Wechselkurse in Rechnung zu stellen. Wer also häufig im Ausland unterwegs ist, sollte sich vorab erkundigen, ob es der Umtauschkurs der eigenen Bank stark vom offiziellen Wechselkurs abweicht. Zum Schluss soll noch kurz auf das Thema DCC – Dynamic Currency Conversion – eingegangen werden. Dieses Angebot steht nicht an allen GAAs im Ausland zur Verfügung, wird aber verschiedentlich schon einmal angeboten. Dabei wird dem Kunden direkt mit der Verfügung von Bargeld in einer ausländischen Währung der korrespondierende Euro-Betrag angezeigt. Was auf den ersten Blick sehr angenehm klingt, denn immerhin wird auch nur der Euro-Betrag genau abgebucht, erweist sich bei näherer Betrachtung als ungünstiges Geschäft für den Karteninhaber. Denn der Umtauschkurs ist immer deutlich schlechter, als der offizielle Umtauschkurs.

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