Bankgebühren steigen – bald keine kostenlosen Girokonten mehr?

By | 28. Mai 2018

Strafzinsen reißen ein dickes Minus in die Bankenkassen

 

Verluste bei Banken sorgen für steigende Bankgebühren

Zumindest für Auszubildende, Schüler und Studenten sind Girokonten noch kostenfrei. Auch für Arbeitnehmer gibt es hier und da einen Erlass der Kontoführungsgebühr ab einem bestimmten Mindest-Geldeingang von zum Beispiel 1000,00 oder 1200,00 Euro. Dabei handelt es sich meist um Gehaltskonten, die zwar als kostenloses Girokonto beworben werden, aber nur mein regelmäßigem Geldeingang wirklich kostenlos sind. Wenige Banken, in der Regel Direktbanken, bieten noch generell kostenfreie Konten an, zumindest dann, wenn es sich eben um reine Online-Konten handelt. Ob das in Zukunft so bleibt, ist allerdings fraglich. Die Bankgebühren steigen an und die Entwicklung auf dem Markt der kostenlosen Girokonten ist derzeit ungewiß.

Die Zinspolitik der EZB reißt ein dickes Minus in die Bankenkassen und die suchen nun nach Möglichkeiten, die anstehenden Verluste aufzufangen. Sparkassen-Vorstand Georg Fahrenschon erklärt in einem Gespräch mit „Zeit Online“, dass die Girokonten bisher günstig waren, da sie durch Zinserträge quersubventioniert wurden, dies sei nun nicht mehr möglich. In Zukunft sollen die Kontoinhaber die Kosten selbst tragen. Die Strafzinsen würden vor allem auf die hohen Einlagen gewerblicher Kunden verteilt werden. Eine Belastung der Spareinlagen privater Anleger möchte Fahrenschon tunlichst vermeiden. Bereits im letzten Jahr seien Verluste durch sinkende Zinsen entstanden, die jedoch durch die guten Renditen im Wertpapier-Geschäft ausgeglichen werden konnten. Dass das Wertpapier-Geschäft den Ausgleich weiterhin tragen kann, sei jedoch ebenfalls nicht zu erwarten.

Filialnetze werden reduziert

Aufgrund der schlechten Zinslage, die EZB senkte den Leitzins im März auf 0 Prozent ab, bleibt den Banken nun nichts anderes übrig, als ihren Fokus auf andere Produkte zu setzen, um die drohenden Verluste in der Jahresbilanz aufzufangen. Während die Direktbanken zunächst weiterhin kostenfreie Online-Konten anbieten, bereiten die privaten Banken, Sparkassen und Volksbanken ihre Kunden bereits auf steigende Preise für die Girokonten vor. Der Minuszins hat jedoch noch größere Auswirkungen, denn in Verbindung mit der Digitalisierung des Finanzwesens, reagieren die Banken mit einem sukzessiven Abbau ihrer Filialnetze.

Die Sparkassen haben jüngst einen Einstellungsstop verhängt, freigewordene Stellen werden nicht mehr besetzt. Mit diesen Maßnahmen stehen die Sparkassen nicht alleine da, auch die Volksbank, die Postbank und die HypoVereinsbank haben Filialen geschlossen. Und die Deutsche Bank hat entsprechende Maßnahmen bereits in Planung. Weitere Maßnahmen zur Kostenverteilung können außerdem höhere Gebühren für Kreditkarten sowie höhere Zinsen für Kredite sein.

Girokonten werden in Zukunft teurer

Die Bankgebühren steigen an, wodurch die kostenlosen Girokonten immer weniger werden

In einem Gespräch mit „Die Welt“ erklärt Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender der Postbank, dass zurzeit an einem neuen Preismodell für das Girokonto gearbeitet werde. Wie das neue Modell aussehen wird, stehe bisher noch nicht fest, es soll aber spätestens im nächsten Jahr in Kraft treten. Strauß geht davon aus, dass verschiedene Dienstleistungen, die mit einem Konto zusammenhängen, kostenpflichtig werden.

Dass es Minuszinsen für die privaten Sparanlagen geben wird, hält er allerdings auch für unwahrscheinlich, genauso wie Gebühren für Barabhebungen am Geldautomaten. Möglicherweise werde es bei der Postbank aber doch noch ein kostenloses Girokonto geben, allerdings nur mit ganz bestimmten Basisleistungen.
Einen Schritt in ein neues Preismodell ist die Postbank bereits im Mai 2015 gegangen, mit der Einrichtung einer Gebühr für beleghafte Überweisungen. Für eine Überweisung per Überweisungsträger berechnet die Bank 0,99 Euro. Nicht wenige Banken sind diesem Beispiel gefolgt, die Commerzbank etwa erhebt 1,50 Euro, die Berliner Sparkasse 1,90 Euro.
Im Vergleich zu anderen Ländern mag die Diskussion um die Konten-Kosten irrelevant erscheinen. In Ländern wie Schweden oder Frankreich zum Beispiel, gibt es keine kostenfreien Girokonten. In Italien wird jede Kontobewegung mit einer Gebühr zwischen 0,80 bis 1,50 Euro berechnet. Wie sich hierzulande die zukünftigen Kosten für die Girokonten gestalten, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Bildquellen: „Verluste bei Banken“ moerschy – pixabay.com / „Bankgebühren steigen“ moerschy – pixabay.com

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